📋 Das Wichtigste in Kürze

Arbeitgeberbewertungen auf kununu können gelöscht werden, wenn kein echtes Arbeitsverhältnis bestand, unwahre Tatsachen behauptet werden oder Schmähkritik vorliegt. Allgemeine Meinungsbekundungen sind hingegen durch die Meinungsfreiheit geschützt.

Das OLG Hamburg entschied im Februar 2024, dass kununu im Streitfall die Identität des Bewerters offenlegen oder die Bewertung löschen muss. Dieses Urteil stärkt die Position von Unternehmen erheblich.

BewertungsSchirm prüft kostenlos und unverbindlich, ob Ihre negative kununu-Bewertung die rechtlichen Voraussetzungen für eine Löschung erfüllt.

Warum Arbeitgeberbewertungen auf kununu so gefährlich werden können

Kununu ist mit weitem Abstand das größte Arbeitgeberbewertungsportal im deutschsprachigen Raum. Unternehmen werden dort von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern, aber auch von Bewerbern bewertet, ohne dass eine Identitätssicherung stattfindet. Wer eine E-Mail-Adresse hat, kann eine Bewertung abgeben. Das Ergebnis: Negative Arbeitgeberbewertungen auf kununu können von Personen stammen, die nie im Unternehmen tätig waren.

Die Auswirkungen negativer Bewertungen auf die Arbeitgebermarke können erheblich sein. Laut einer Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2021 haben 47 Prozent der Internet-Nutzer bereits Bewertungen über Arbeitgeber konsultiert, 44 Prozent gaben an, dass Arbeitgeberbewertungen ihre Jobsuche beeinflusst haben. Wer im Wettbewerb um Fachkräfte steht, kann sich eine dauerhaft schädigende Bewertung auf kununu schlecht leisten.

Ein weiterer Aspekt: Bewertungen auf kununu erscheinen oft bei Google-Suchen nach dem Unternehmensnamen. Eine 1-Sterne-Bewertung mit einer negativen Überschrift ist damit nicht nur auf kununu selbst sichtbar, sondern präsentiert sich potenziellen Bewerbern und Geschäftspartnern direkt in den Suchergebnissen. Dieser Verstärkungseffekt macht negative Arbeitgeberbewertungen zu einem ernstzunehmenden Risiko für das Employer Branding.

Gleichzeitig gilt: Nicht jede negative Arbeitgeberbewertung auf kununu kann und sollte gelöscht werden. Die rechtliche Grenze zwischen einer zulässigen Kritik und einer rechtswidrigen Behauptung ist fließend. Entscheidend ist deshalb eine präzise Analyse der Bewertung, bevor ein Vorgehen eingeleitet wird.

Wann ist eine Arbeitgeberbewertung angreifbar?

Nicht jede negative Bewertung auf kununu kann gelöscht werden. Die Meinungsfreiheit schützt subjektive Werturteile, auch wenn sie hart formuliert sind. Ein ehemaliger Mitarbeiter darf schreiben, dass er die Führungskultur im Unternehmen als mangelhaft empfunden hat. Das ist eine Meinung, und Meinungen sind grundsätzlich zulässig.

Angreifbar wird eine Arbeitgeberbewertung auf kununu, wenn sie eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften aufweist:

Unwahre Tatsachenbehauptungen: Behauptet eine Bewertung konkrete, prüfbare Fakten, die nicht der Wahrheit entsprechen, ist sie rechtswidrig. Ein Beispiel wäre die falsche Aussage, ein Unternehmen zahle systematisch keine Gehalt oder habe Mitarbeiter ohne Grund gekündigt, wenn dies nachweislich nicht stimmt.

Schmähkritik: Eine Bewertung, bei der die persönliche Diffamierung des Unternehmens oder seiner Führungspersonen im Vordergrund steht und keine sachliche Auseinandersetzung mit Arbeitsbedingungen stattfindet, gilt als Schmähkritik und kann gelöscht werden.

Kein echtes Arbeitsverhältnis: Kununu erlaubt die Bewertung nur durch tatsächliche oder ehemalige Mitarbeiter sowie Bewerber. Wurde eine Bewertung von jemandem abgegeben, der nie im Unternehmen beschäftigt war, fehlt die Grundlage für die Bewertung. Dieser Angriffspunkt ist in der Praxis besonders wirkungsvoll.

Beleidigungen: Äußerungen, die die Würde einzelner Personen verletzen, gehen über zulässige Kritik hinaus und können als Beleidigung rechtlich verfolgt werden.

In der Praxis zeigt sich, dass der Angriffspunkt „fehlende oder nicht nachweisbare Beschäftigung“ bei kununu-Bewertungen besonders erfolgversprechend ist. Da die Plattform eine Registrierung mit einer einfachen E-Mail-Adresse erlaubt, ohne dass ein tatsächliches Arbeitsverhältnis nachgewiesen werden muss, ist die Anfälligkeit für gefälschte oder falsch zugeordnete Bewertungen hoch.

Kununu-Bewertung löschen lassen: Wie das in der Praxis funktioniert

Unternehmen können Bewertungen auf kununu nicht selbst löschen. Der einzige Weg führt über eine Meldung an das Portal oder über anwaltliche Beanstandung. Kununu betreibt einen eigenen Prüfprozess, der aus automatisierten und manuellen Kontrollen besteht. Wenn ein Unternehmen eine Bewertung meldet, nimmt kununu die Bewertung während der Prüfung in manchen Fällen vorübergehend offline und informiert den Verfasser über die Beanstandung.

Der erste Schritt für eine Unternehmensseite auf kununu ist die Registrierung als Unternehmensvertreter. Danach kann über das kununu-Support-Formular eine Bewertung gemeldet werden. Entscheidend ist dabei, dass die Beanstandung konkret und belegt ist. Pauschale Meldungen wie „Diese Bewertung ist falsch“ werden von kununu in der Regel nicht bearbeitet. Es braucht eine spezifische Darlegung, welche Textstelle aus welchem Grund unzutreffend oder richtlinienwidrig ist.

Wenn kununu die Meldung prüft und die Beanstandung für unbegründet hält, bleibt die Bewertung bestehen. An diesem Punkt endet für viele Unternehmen der eigene Handlungsspielraum. Der nächste Schritt ist dann die anwaltliche Beanstandung.

Ein spezialisierter Anwalt kann eine substanziierte rechtliche Beanstandung direkt an kununu richten. Nach der BGH-Rechtsprechung (VI ZR 1244/20) sind Plattformbetreiber verpflichtet, bei substanziierten Hinweisen die Authentizität einer Bewertung zu überprüfen und beim Verfasser Nachweise anzufordern. Kann der Verfasser keinen Nachweis über sein Arbeitsverhältnis erbringen, ist kununu zur Löschung verpflichtet.

Dieses Prüfverfahren bietet für Unternehmen eine wichtige Handhabe: Wer nie im Unternehmen tätig war, kann das Arbeitsverhältnis auch nicht nachweisen. In der anwaltlichen Praxis führt dieser Weg bei vielen negativ bewerteten Unternehmen zur Löschung der Arbeitgeberbewertung auf kununu.

Die Löschung einer kununu-Bewertung über anwaltliche Beanstandung kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Eine gerichtliche Durchsetzung ist zusätzlich möglich, wenn kununu trotz begründeter Beanstandung nicht reagiert.

Das OLG-Hamburg-Urteil 2024 und was es für Unternehmen bedeutet

Im Februar 2024 hat das Oberlandesgericht Hamburg eine weitreichende Entscheidung zum Thema Arbeitgeberbewertungen auf kununu getroffen. Das OLG Hamburg stellte fest, dass kununu im Streitfall verpflichtet ist, die Identität des Bewerters offenzulegen oder die Bewertung zu löschen, wenn Zweifel an der Authentizität der Bewertung bestehen und das Unternehmen dies substanziiert beanstandet.

Dieses Urteil des OLG Hamburg ist ein erheblicher Fortschritt für Unternehmen, die sich gegen gefälschte oder unbegründete Arbeitgeberbewertungen zur Wehr setzen wollen. Bislang konnte kununu die Anonymität der Bewerter weitgehend schützen und sich auf die Meinungsfreiheit berufen. Das OLG Hamburg stellt nun klar: Wenn ein Unternehmen konkrete Hinweise darauf liefert, dass ein Bewerter nie im Unternehmen tätig war, muss kununu handeln.

Das OLG Hamburg fügt sich damit in eine Reihe von Entscheidungen ein, die die Pflichten von Bewertungsplattformen schärfen. Während der BGH in seiner Grundsatzentscheidung VI ZR 358/13 Bewertungsplattformen wie kununu als grundsätzlich zulässig anerkannte, hat die Rechtsprechung seither kontinuierlich prazisiert, dass diese Plattformen bei begründeten Beanstandungen aktiv werden müssen.

Für Unternehmen bedeutet das OLG-Hamburg-Urteil 2024 konkret: Eine anwaltliche Beanstandung einer kununu-Bewertung ist heute aussichtsreicher als je zuvor. Wenn der Bewerter den Nachweis seines Arbeitsverhältnisses nicht erbringen kann, ist kununu zur Löschung der Bewertung verpflichtet. Dieser Mechanismus macht es schwieriger, anonyme Fake-Bewertungen dauerhaft auf kununu zu halten.

Allerdings gilt auch hier: Das Urteil des OLG Hamburg hilft in erster Linie bei solchen Bewertungen, bei denen die Authentizität des Bewertenden tatsächlich zweifelhaft ist. Bei einer Bewertung, die von einem tatsächlichen ehemaligen Mitarbeiter stammt, bleibt die Meinungsfreiheit das maßgebliche Schutzprinzip.

Employer Branding und Online-Reputation: Was auf dem Spiel steht

Das Employer Branding, also die Reputation eines Unternehmens als Arbeitgeber, ist in Zeiten des Fachkräftemangels zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor geworden. Wer die besten Mitarbeiter gewinnen will, muss auch als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden. Kununu, Glassdoor und Google spielen dabei eine entscheidende Rolle, weil viele Bewerber ihre Jobsuche mit einer Recherche auf diesen Plattformen beginnen.

Eine negative Arbeitgeberbewertung auf kununu, die unwidersprochen stehenbleibt, sendet potenziellen Bewerbern ein klares Signal. Das gilt besonders dann, wenn die Gesamtnote des Unternehmens auf kununu unter dem Branchendurchschnitt liegt oder wenn negative Bewertungen die positiven zahlmäßig überwiegen. Der Einfluss auf die tatsächliche Bewerbungsquote kann in kurzer Zeit spürbar sein.

Unternehmen, die im Bereich Employer Branding aktiv investieren, also in Mitarbeiterzufriedenheit, interne Kommunikation und eine wertschätzende Unternehmenskultur, sind langfristig weniger anfällig für schädigende Bewertungen. Gleichzeitig gilt: Selbst Unternehmen mit exzellenten Arbeitsbedingungen können Ziel von Fake-Bewertungen oder gezielten Desinformationskampagnen werden. Deshalb ist die rechtliche Absicherung durch das Löschen rechtswidriger Arbeitgeberbewertungen kein Widerspruch zu einer positiven Unternehmenskultur, sondern deren logische Ergänzung.

Auf kununu verwalten Unternehmen ihr offizielles Profil und können dort eigene Informationen über das Unternehmen, Benefits und Karrieremöglichkeiten bereitstellen. Dieses Profil kann ein wichtiges Instrument des Employer Brandings sein. Voraussetzung ist jedoch, dass die daneben stehenden Bewertungen ein faires Bild des Unternehmens zeichnen. Wenn unrechtmäßige oder gefälschte Arbeitgeberbewertungen die Außenwahrnehmung prägen, verpufft die Wirkung auch der besten Employer-Branding-Maßnahmen.

Neben kununu ist Google für Arbeitgeber ein wachsend wichtiges Bewertungsportal. Arbeitgeberbewertungen erscheinen auf Google nicht in der gleichen strukturierten Form wie auf kununu, aber ehemalige Mitarbeiter oder Bewerber können über Google Maps oder das Google Unternehmensprofil Rezensionen hinterlassen. Die Löschgrundlagen für Google-Bewertungen ähneln denen bei kununu: Wer als Bewerter nie in einem tatsächlichen Kontakt mit dem Unternehmen stand, bewertet ohne die erforderliche Grundlage. BewertungsSchirm erzielt bei Google eine Löschquote von über 90 Prozent bei rechtswidrigen Bewertungen.

Unternehmen, die auf mehreren Plattformen gleichzeitig mit negativen Arbeitgeberbewertungen konfrontiert sind, sollten die verschiedenen Bewertungsportale gemeinsam im Blick haben. Ein Monitoring der relevanten Plattformen ermöglicht es, neue negative Arbeitgeberbewertungen frühzeitig zu erkennen und zeitnah zu reagieren. Je schneller eine rechtswidrige Bewertung nach ihrem Erscheinen beanstandet wird, desto besser sind in der Regel die Erfolgsaussichten.

Glassdoor-Bewertungen entfernen

Neben kununu spielt Glassdoor als internationale Bewertungsplattform für Arbeitgeber eine wachsende Rolle, insbesondere für Unternehmen mit internationalem Recruiting. Auch auf Glassdoor können Mitarbeiter, ehemalige Mitarbeiter und Bewerber Arbeitgeberbewertungen abgeben.

Die Löschmöglichkeiten für Glassdoor-Bewertungen sind ähnlich strukturiert wie bei kununu. Unternehmen können Bewertungen melden, wenn diese gegen die Richtlinien von Glassdoor verstoßen. Dazu gehören unwahre Tatsachenbehauptungen, Beleidigungen und Bewertungen von Personen, die nie im Unternehmen beschäftigt waren.

Der rechtliche Rahmen für Glassdoor-Bewertungen ist in Deutschland grundsätzlich derselbe wie für kununu: Zulässige Meinungen sind geschützt, unwahre Tatsachen und Schmähkritik sind es nicht. Allerdings ist Glassdoor ein amerikanisches Unternehmen, was die Durchsetzung rechtlicher Ansprüche im Vergleich zu kununu (einer XING-Tochter mit Sitz in Deutschland) aufwendiger machen kann.

Für Unternehmen, die sowohl auf kununu als auch auf Glassdoor mit negativen Arbeitgeberbewertungen konfrontiert sind, empfiehlt sich eine parallele anwaltliche Beanstandung auf beiden Plattformen. BewertungsSchirm bietet eine kostenlose Erstprüfung an, die beide Plattformen berücksichtigt.

Fake-Bewertungen und Bewertungen ohne echtes Arbeitsverhältnis

Ein erheblicher Teil der negativen Arbeitgeberbewertungen auf kununu stammt von Personen, die nie tatsächlich im Unternehmen beschäftigt waren. Das können Wettbewerber sein, die das Employer Branding des Konkurrenten schädigen wollen, oder frühere Geschäftspartner, Bewerber die eine Absage erhielten, oder auch schlicht Personen, die das Unternehmen verwechselt haben.

Solche Fake-Bewertungen sind auf kununu besonders schwer zu erkennen, weil die Plattform keine Verifikation des Arbeitsverhältnisses vorschreibt. Wer sich mit einer beliebigen E-Mail-Adresse registriert und behauptet, im Unternehmen XY gearbeitet zu haben, kann sofort eine Bewertung abgeben. Die Authentizität wird erst im Streitfall geprüft.

Genau hier setzt die anwaltliche Beanstandung an: Das Unternehmen teilt kununu mit, dass der Bewerter nach eigener Kenntnis nie dort beschäftigt war. Kununu ist dann verpflichtet, vom Bewerter einen Nachweis anzufordern. Kann der Bewerter keinen Nachweis erbringen (Arbeitsvertrag, Gehaltsnachweis, interne Kommunikation), muss kununu die Bewertung entfernen. Dies hat das OLG Hamburg im Februar 2024 bestätigt.

Bewertungen von Wettbewerbern oder koordinierten Aktionen sind besonders schwer nachzuweisen, weil die Bewerter oft sehr authentisch klingende Inhalte formulieren und Kenntnisse über das Unternehmen vortäuschen, die sie aus öffentlich zugänglichen Quellen bezogen haben könnten. Auch hier gilt: Im Zweifel müssen die Bewerter ihren Status nachweisen.

Wenn mehrere negative Arbeitgeberbewertungen in einem kurzen Zeitraum erscheinen und sich in Inhalt und Stil ähneln, könnte das auf eine koordinierte Kampagne hindeuten. In solchen Fällen sollte schnell gehandelt werden, da negative Bewertungscluster die Gesamtnote auf kununu erheblich drücken können.

Was Unternehmen selbst tun können und wo die Grenzen liegen

Unternehmen haben eine Reihe von Möglichkeiten, um mit negativen Arbeitgeberbewertungen auf kununu umzugehen. Der erste Schritt sollte immer die genaue Analyse der Bewertung sein: Handelt es sich um eine zulässige Meinung oder um eine angreifbare Tatsachenbehauptung? Enthält die Bewertung konkrete, prüfbare Fakten, die möglicherweise unwahr sind? Könnte der Bewerter jemals im Unternehmen tätig gewesen sein?

Wenn die Analyse ergibt, dass eine Bewertung angreifbar ist, können Unternehmen über das kununu-Support-Formular eine Meldung abgeben. Wichtig dabei: Die Meldung muss konkret und begründet sein. Je präziser die Beanstandung, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Pauschale Beschwerden („Diese Bewertung ist nicht fair“) werden von kununu in der Regel abgelehnt.

Gleichzeitig gibt es klare Grenzen: Bewertungen, die zulässige Meinungen enthalten, können nicht gelöscht werden. Wer versucht, auch begründete Kritik zu entfernen, schadet sich langfristig selbst. Die Authentizität des eigenen Arbeitgeber-Profils auf kununu ist ein wichtiger Vertrauensfaktor für potenzielle Bewerber.

Dokumentation ist entscheidend: Unternehmen sollten Screenshots von negativen Bewertungen anfertigen, sobald diese erscheinen. Dabei sollten Datum, Nutzername, Gesamtbewertung und der vollständige Text festgehalten werden. Diese Dokumentation ist später nötig, falls eine anwaltliche Beanstandung oder ein gerichtliches Verfahren eingeleitet werden soll.

Wenn die eigene Meldung bei kununu erfolglos bleibt, ist die Einschaltung eines auf Bewertungsrecht spezialisierten Anwalts der nächste Schritt. Ein Anwalt kann eine substanziierte Beanstandung formulieren, die kununu nach der OLG-Hamburg-Rechtsprechung zur Prüfung verpflichtet.

Antworten auf kununu-Bewertungen: Warum das fast immer die falsche Strategie ist

Viele Unternehmen werden von Beratern und Marketing-Agenturen dazu ermutigt, auf negative kununu-Bewertungen zu antworten. Die Idee dahinter ist zunächst plausibel: Eine professionelle Antwort zeigt potentiellen Bewerbern, dass das Unternehmen Kritik ernst nimmt. Doch in der Praxis überwiegen die Nachteile dieses Ansatzes deutlich.

Das Grundproblem: Eine Antwort auf eine negative Arbeitgeberbewertung löst das eigentliche Problem nicht. Die Bewertung bleibt sichtbar, beeinflusst weiterhin die Gesamtnote auf kununu und erscheint weiterhin in den Google-Suchergebnissen. Potenzielle Bewerber sehen zuerst die negative Bewertung und erst dann die Antwort des Unternehmens.

Dazu kommt ein rechtlicher Aspekt: Wer auf eine Fake-Bewertung antwortet, legitimiert den Bewerter implizit. Mit einer Antwort signalisiert das Unternehmen, dass es die Bewertung als grundlegend legitim akzeptiert, auch wenn die Antwort die konkreten Vorwürfe bestreitet. Das kann die spätere rechtliche Löschung erheblich erschweren, weil die Plattform die Antwort als Indiz dafür werten kann, dass das Unternehmen selbst von einem tatsächlichen Arbeitsverhältnis ausgeht.

Darüber hinaus birgt eine öffentliche Antwort auf kununu immer das Risiko, Details über das Unternehmen oder interne Abläufe preiszugeben, die dann ihrerseits als Beweis oder Gegenargument verwendet werden können.

Die Empfehlung lautet daher: Zunächst prüfen, ob die Bewertung löschbar ist. Wenn sie löschbar ist, löschen. Wenn sie nicht löschbar ist und eine zulässige Meinung darstellt, kann eine knappe, professionelle Antwort im Einzelfall sinnvoll sein. Aber als Standard-Strategie für negative Arbeitgeberbewertungen auf kununu ist das Antworten der falsche Ansatz.

Anonymität als Schutzschild: Was rechtlich möglich ist

Eines der zentralen Probleme bei Arbeitgeberbewertungen auf kununu ist die Anonymität der Bewertenden. Wer eine negative Bewertung abgibt, muss auf kununu keine identifizierenden Informationen angeben. Dies schützt einerseits legitime Kritik von Mitarbeitern, die befürchten, bei einer Klarnamen-Bewertung berufliche Nachteile zu erleiden. Andererseits ermöglicht es die Verbreitung von Fake-Bewertungen und gezielten Rufschädigungskampagnen.

Das Recht auf Anonymität ist durch das Telemediengesetz und das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung geschützt. Plattformen wie kununu dürfen die Identität ihrer Nutzer grundsätzlich nicht preisgeben. Das OLG Hamburg hat in seinem Urteil vom Februar 2024 jedoch eine wichtige Ausnahme präzisiert: Wenn ein Unternehmen substanziiert beanstandet, dass der Bewerter nie dort tätig war, muss kununu den Bewerter zur Stellungnahme auffordern und den Nachweis des Arbeitsverhältnisses verlangen. Bleibt dieser Nachweis aus, muss die Bewertung gelöscht werden.

Die Identität des Bewerters wird dabei nicht an das Unternehmen weitergegeben. kununu agiert als Vermittler zwischen dem Unternehmen, das die Bewertung beanstandet, und dem Bewertenden, der seinen Status belegen muss. Dieses Verfahren schützt die Anonymität, verhindert aber gleichzeitig, dass Fake-Bewertungen dauerhaft auf der Plattform verbleiben.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Anonymität der Bewerter ist kein absolutes Hindernis mehr. Wer substanziiert beanstandet und auf das OLG-Hamburg-Urteil verweist, hat gute Chancen, auch anonyme Arbeitgeberbewertungen auf kununu löschen zu lassen, sofern der Bewerter das Arbeitsverhältnis nicht nachweisen kann.

Anonyme Bewertungen besonders angreifbar: Die meisten negativen Bewertungen stammen von anonymen Profilen. Anonyme Bewerter können ihren Kundenstatus in der Regel nicht nachweisen, was eine rechtliche Löschung in vielen Fällen erst möglich macht. Unsere Anwälte prüfen kostenlos, ob das auf Ihre Bewertung zutrifft.

Häufige Fragen

Kann ein Unternehmen eine kununu-Bewertung selbst löschen?

Nein. Unternehmen haben keinen direkten Zugriff auf kununu-Bewertungen und können diese nicht eigenständig entfernen. Sie können Bewertungen über das kununu-Support-Formular melden oder eine anwaltliche Beanstandung einreichen. Die endgültige Entscheidung über die Löschung trifft kununu nach eigener Prüfung oder auf gerichtliche Anweisung.

Was passiert, wenn kununu eine Bewertung nicht löscht?

Wenn kununu eine Beanstandung ablehnt und das Unternehmen weiterhin der Ansicht ist, dass die Bewertung rechtswidrig ist, kann ein spezialisierter Anwalt weitergehende Schritte einleiten. Das kann eine erneute, rechtlich präzisere Beanstandung sein oder, in begründeten Fällen, ein gerichtliches Verfahren. Gerichte können kununu zur Löschung verpflichten, wenn die Rechtswidrigkeit einer Bewertung nachgewiesen wird.

Wie lange dauert es, eine Arbeitgeberbewertung auf kununu löschen zu lassen?

Das hängt von der gewählten Vorgehensweise ab. Eine Meldung über das kununu-Support-Formular kann einige Tage bis Wochen dauern. Eine anwaltliche Beanstandung läuft meist schneller ab, weil die Argumentation präziser und die rechtliche Verbindlichkeit höher ist. In einfachen Fällen kann eine Löschung innerhalb weniger Wochen erreicht werden.

Hilft eine Rechtsschutzversicherung bei der Löschung von kununu-Bewertungen?

Das hängt von den Versicherungsbedingungen ab. Firmenrechtsschutzversicherungen mit einem IT-Recht- oder Internetrecht-Baustein können Bewertungsstreitigkeiten abdecken. Die Deckungsanfrage sollte vor der Beauftragung eines Anwalts gestellt werden. BewertungsSchirm klärt auf Wunsch gemeinsam mit Ihnen, ob Ihre Versicherung den konkreten Fall abdeckt.

Kann eine Bewertung gelöscht werden, die zwar kritisch, aber sachlich richtig ist?

Nein. Eine Bewertung, die auf wahren Tatsachen basiert und sich im Rahmen zulässiger Meinungsfreiheit bewegt, kann nicht gelöscht werden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung schützt auch harte und unangenehme Kritik, solange diese sachlich bleibt. Die rechtliche Löschung kommt nur in Betracht, wenn die Bewertung gegen geltendes Recht oder die Plattformrichtlinien verstößt.

Was unterscheidet kununu von anderen Plattformen wie Glassdoor oder Google?

Kununu konzentriert sich auf Arbeitgeberbewertungen im deutschsprachigen Raum und ist die meistgenutzte Plattform dieser Art in Deutschland. Glassdoor ist international ausgerichtet und für Unternehmen mit globalem Recruiting relevanter. Google-Bewertungen können von jedermann abgegeben werden und sind nicht auf ehemalige Mitarbeiter beschränkt. Die rechtlichen Löschmöglichkeiten sind plattformspezifisch unterschiedlich, aber das Grundprinzip ist dasselbe: unwahre Tatsachen und Schmähkritik sind auf keiner Plattform geschützt.

Was tun, wenn eine Bewertung von einem Wettbewerber stammt?

Wenn konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass eine Bewertung nicht von einem echten Mitarbeiter stammt, sondern von einem Wettbewerber gezielt eingestellt wurde, ist das ein wichtiges Argument im Löschverfahren. Kununu hat bei substanziierten Hinweisen auf Fake-Bewertungen die Pflicht zu prüfen, ob die bewertende Person tatsächlich bei dem Unternehmen beschäftigt war oder ist. Hinweise auf Fake-Bewertungen können auffällige Zeitmüster, identische Formulierungen oder fehlende weitere Bewertungshistorie des Accounts sein. BewertungsSchirm hilft bei der Dokumentation solcher Muster und formuliert die entsprechende substanziierte Beanstandung.

Wie wirkt sich eine gelöschte Bewertung auf den Durchschnitt aus?

Wenn eine Bewertung auf kununu gelöscht wird, wird sie aus dem Gesamtdurchschnitt herausgerechnet. Das kann den Sterndurchschnitt eines Unternehmens merklich verbessern, insbesondere wenn es sich um eine 1-Stern-Bewertung handelt und die Gesamtzahl der Bewertungen &uuuml;berschaubar ist. Bei Unternehmen mit wenigen Bewertungen kann eine einzige Löschung den Durchschnitt um mehrere Zehntel verschieben. Das macht die Löschung selbst einer einzelnen Arbeitgeberbewertung häufig strategisch bedeutsam für das Recruiting, die Mitarbeitergewinnung und das Employer Branding des Unternehmens insgesamt.

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