📋 Das Wichtigste in Kürze
  • Kununu gibt die Identität von Bewertenden nicht preis. Arbeitgeber können den Verfasser einer Bewertung über normale Wege nicht herausfinden.
  • Eine gerichtliche Auskunftsklage oder ein strafrechtlicher Weg sind in sehr seltenen Ausnahmefällen möglich, zum Beispiel bei strafrechtlich relevanten Inhalten wie übler Nachrede. In der Praxis ist dieser Weg sehr aufwändig und zeitintensiv.
  • Wichtig: Wer den Verfasser ermitteln möchte, verfolgt oft das falsche Ziel. Die Löschung einer rechtswidrigen Bewertung ist möglich, ohne den Verfasser zu kennen. Dieser Weg ist schneller, günstiger und in der Praxis deutlich erfolgversprechender.

Warum Arbeitgeber den Verfasser einer Kununu-Bewertung kennen wollen

Es ist ein natürlicher Impuls: Wenn eine Bewertung auf Kununu erscheint, die nach Einschätzung des Unternehmens falsch oder ungerecht ist, will man wissen, von wem sie stammt. Vielleicht, um das Gespräch zu suchen, um Missverständnisse zu klären oder um einzuschätzen, ob der Verfasser überhaupt jemals im Unternehmen tätig war. In manchen Fällen vermuten Arbeitgeber, dass eine Bewertung von einem Wettbewerber, einem entäuschten Bewerber oder einer Person mit persönlichen Motiven stammt.

Das Ziel, den Verfasser zu identifizieren, ist verständlich. Es ist jedoch in der Praxis kaum erreichbar und aus rechtlicher Sicht oft auch nicht notwendig. Denn für die Löschung einer rechtswidrigen Bewertung braucht man den Verfasser nicht zu kennen. Wer sein Ziel auf „Verfasser ermitteln“ fokussiert, verliert oft Zeit und Energie, die besser in das eigentliche Ziel, nämlich die Löschung der Bewertung, investiert wäre.

Wie Kununu die Anonymität der Bewertenden schützt

Kununu ist technisch und organisatorisch so aufgebaut, dass Klarnamen und Kontaktdaten von Bewertenden nicht an Arbeitgeber weitergegeben werden. Selbst wenn ein Arbeitgeber direkt bei Kununu anfragt, wer eine bestimmte Bewertung verfasst hat, erhält er keine Auskunft. Das ist explizite Plattformpolitik und durch die Meinungsfreiheit rechtlich abgesichert.

Kununu speichert zwar Daten über Nutzer, gibt diese jedoch nur auf richterliche Anordnung oder im Rahmen behördlicher Strafverfolgungsmaßnahmen heraus. Ein formloses Auskunftsersuchen eines Arbeitgebers, egal wie es begründet ist, reicht nicht aus. Auch eine anwaltliche Anfrage führt nicht automatisch zur Herausgabe von Nutzerdaten. Dafür bedarf es eines konkreten richterlichen Beschlusses, der Kununu zur Auskunft verpflichtet.

Diese Datenschutzpraxis ist nicht willkürlich, sondern folgt dem Telekommunikationsgesetz (TKG) und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Plattformbetreiber dürfen personenbezogene Daten nur unter sehr engen Voraussetzungen an Dritte weitergeben. Die Neugier oder das Interesse eines Arbeitgebers erfüllt diese Voraussetzungen nicht.

Auskunftsklage gegen Kununu: Möglich, aber selten praktikabel

Theoretisch gibt es einen Rechtsweg, über den ein Arbeitgeber versuchen kann, die Identität eines Kununu-Bewerters in Erfahrung zu bringen: die Auskunftsklage gegen Kununu. Dabei verlangt der Arbeitgeber von Kununu gerichtlich, die Nutzerdaten des Bewerters herauszugeben, weil die Bewertung eine Rechtsverletzung darstellt, gegen die der Arbeitgeber vorgehen möchte.

Diese Option ist jedoch mit erheblichen praktischen Hürden verbunden. Zunächst muss der Arbeitgeber darlegen, dass die Bewertung tatsächlich rechtswidrig ist. Das erfordert bereits die substanziierte inhaltliche Auseinandersetzung mit der Bewertung. Dann muss ein Gericht davon überzeugt werden, dass das Interesse an der Identität das Interesse des Bewerters an Anonymität überwiegt. Das ist ein hoher Maßstab, der selten erfüllt ist.

Darüber hinaus ist das Verfahren zeitaufwändig und kostenintensiv. Kununu ist in Österreich ansässig (Wien), was zusätzliche Zuständigkeitsfragen aufwirft. In der Praxis dauert eine solche Auskunftsklage Monate bis Jahre, während die Bewertung die ganze Zeit öffentlich sichtbar bleibt. Wer das eigentliche Ziel, nämlich die Entfernung der Bewertung, schnell erreichen möchte, ist mit der Auskunftsklage schlecht beraten.

Strafrechtliche Möglichkeiten bei schweren Verstößen

In besonders schweren Fällen, wenn eine Bewertung beispielsweise strafrechtlich relevante Inhalte wie üble Nachrede nach § 186 StGB oder Verleumdung nach § 187 StGB enthält, kann der Arbeitgeber oder eine natürliche Person, die in der Bewertung angegriffen wird, Strafanzeige erstatten. Im Rahmen des Strafverfahrens kann die Staatsanwaltschaft Kununu dann zur Herausgabe von Nutzerdaten verpflichten.

Auch dieser Weg ist jedoch lang und ungewiss. Die Staatsanwaltschaft entscheidet eigenständig, ob sie ein Verfahren einleitet und Daten anfordert. Es besteht kein Anspruch darauf, dass eine Strafanzeige automatisch zur Identitätsermittlung führt. Zudem ist der strafrechtliche Weg auf Fälle beschränkt, in denen tatsächlich ein Straftatbestand erfüllt ist. Viele rechtswidrige Bewertungen, die zivilrechtlich angreifbar sind, erfüllen keinen Straftatbestand.

Das bessere Ziel: Löschung statt Verfasserermittlung

Wer als Arbeitgeber mit einer rechtswidrigen Kununu-Bewertung konfrontiert ist, sollte das Ziel klar definieren. Das eigentliche Ziel ist in der Regel nicht die Identifizierung des Verfassers, sondern die Entfernung der Bewertung. Und für dieses Ziel braucht man den Verfasser nicht zu kennen.

Die Löschung einer Kununu-Bewertung ist möglich, wenn die Bewertung rechtswidrige Inhalte enthält oder wenn substanziierte Hinweise auf eine fehlende Beschäftigungsbeziehung vorliegen. In beiden Fällen geht die Beanstandung gegen den Inhalt der Bewertung, nicht gegen den Verfasser. Kununu ist dann verpflichtet zu prüfen und, wenn die Beanstandung substanziiert ist, den Bewerter um Nachweise zu bitten. Kann er diese nicht erbringen, wird die Bewertung gelöscht.

Dieser Weg ist nicht nur schneller und kostengünstiger als eine Auskunftsklage, er führt auch direkt zum eigentlichen Ziel. Wer den Verfasser kennt, hat die Bewertung noch nicht gelöscht. Wer die Bewertung gelöscht hat, hat sein Ziel bereits erreicht, unabhängig davon, ob er den Verfasser kennt.

Löschung ohne Kenntnis des Verfassers: So funktioniert es

BewertungsSchirm setzt auf die substanziierte inhaltliche Beanstandung bei Kununu. Unsere Anwälte prüfen die Bewertung auf konkrete Rechtsverstöße, formulieren eine präzise Beanstandung gegenüber Kununu und führen das Verfahren bis zur Löschung oder bis zur gerichtlichen Klärung. Die Identität des Verfassers ist für diesen Prozess nicht erforderlich.

Die Erstprüfung durch BewertungsSchirm ist kostenlos. Sie erhalten innerhalb kurzer Zeit eine Einschätzung, ob und auf welchem Weg die Löschung möglich ist. Damit haben Sie eine klare Grundlage für Ihre nächsten Schritte, ohne zunächst aufwendige und unsichere Schritte zur Identitätsermittlung zu unternehmen.

Häufige Fragen

Kann ich durch Abgleich von Schreibstil oder Zeitpunkt den Verfasser eingrenzen?

In der Praxis können Arbeitgeber manchmal Vermutungen hegen, wer eine Bewertung verfasst hat. Diese Vermutungen sind jedoch rechtlich nicht verwertbar und reichen nicht aus, um zivilrechtlich oder arbeitsrechtlich gegen die vermutete Person vorzugehen. Ohne eindeutigen Beweis besteht das Risiko einer Klage wegen Verleumdung oder unberechtigter Kündigung.

Was passiert, wenn ich herausfinde, wer die Bewertung geschrieben hat?

Selbst wenn die Identität des Verfassers bekannt ist, bedeutet das nicht automatisch, dass arbeitsrechtliche Schritte möglich sind. Eine Abmahnung oder Kündigung wegen einer Kununu-Bewertung setzt voraus, dass die Bewertung einen erheblichen arbeitsvertraglichen Verstoß darstellt. Das ist nur bei eindeutig falschen Tatsachenbehauptungen oder bei besonders schwerwiegenden Verstößen der Fall.

Könnte Kununu die Identität künftig offenlegen müssen?

Die Rechtslage ist in Bewegung. Das OLG Hamburg hat 2024 signalisiert, dass Plattformen unter Umständen zur Offenlegung oder Löschung verpflichtet sein könnten. Dieser Beschluss wurde zwar aufgehoben, aber die Grundsatzfrage ist höchstrichterlich noch nicht entschieden. Es ist möglich, dass künftige Urteile die Pflichten von Kununu in dieser Frage konkretisieren.

Anonyme Bewertungen besonders angreifbar: Die meisten negativen Bewertungen stammen von anonymen Profilen. Anonyme Bewerter können ihren Kundenstatus in der Regel nicht nachweisen, was eine rechtliche Löschung in vielen Fällen erst möglich macht. Unsere Anwälte prüfen kostenlos, ob das auf Ihre Bewertung zutrifft.
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