- Kununu schützt die Identität von Bewertern gegenüber Arbeitgebern. Die Plattform selbst kennt jedoch die Registrierungsdaten.
- Als Arbeitgeber können Sie den Bewerter nicht direkt identifizieren. Der rechtliche Hebel liegt woanders.
- Nach BGH-Rechtsprechung muss Kununu auf Meldung hin prüfen, ob ein tatsächlicher Arbeitskontakt bestanden hat.
- Kann der anonym bewertende Nutzer seinen Arbeitskontakt nicht belegen, verliert die Anonymität seinen rechtlichen Schutz für die Bewertung.
- Gute Löschchancen bei Kununu-Bewertungen mit anwaltlicher Unterstützung.
Wie anonym sind Bewertungen auf Kununu wirklich?
Für viele Arbeitgeber ist die Anonymität auf Kununu eine der größten Herausforderungen: Man weiß nicht, wer die schlechte Bewertung abgegeben hat, und kann sich nicht direkt wehren. Doch wie anonym ist Kununu tatsächlich?
Aus Sicht des bewertenden Nutzers bietet Kununu tatsächlich Anonymität gegenüber dem bewerteten Unternehmen. Der Arbeitgeber sieht nicht, wer die Bewertung verfasst hat. Die Plattform zeigt nur allgemeine Angaben wie den Status (aktueller oder ehemaliger Mitarbeiter) und die Branche.
Gegenüber Kununu selbst sind Bewerter jedoch nicht anonym. Um eine Bewertung abzugeben, muss man sich bei Kununu oder der Mutterplattform XING registrieren. Kununu hat also die E-Mail-Adresse und weitere Registrierungsdaten des Bewerters. Diese gibt die Plattform aber grundsätzlich nicht an den bewerteten Arbeitgeber heraus.
Das bedeutet für betroffene Unternehmen: Die Anonymität des Bewerters ist nicht das entscheidende Problem. Entscheidend ist, ob die Bewertung rechtmäßig abgegeben wurde. Und das kann man prüfen, ohne die Identität des Bewerters zu kennen.
Was Arbeitgeber direkt einsehen können
Wenn Sie ein Unternehmensprofil auf Kununu haben, sehen Sie die Bewertungen mit ihren Inhalten, die Sternebewertungen in den einzelnen Kategorien sowie eine Einschätzung, ob es sich um einen aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiter handelt. Außerdem sehen Sie das Datum der Bewertung und, wenn angegeben, den Standort und die Abteilung.
Diese Informationen reichen oft aus, um Rückschlüsse auf mögliche Urheber zu ziehen, beispielsweise wenn der Zeitraum und der Standort auf eine konkrete Person hinweisen. Rechtlich dürfen Sie diesen Verdacht jedoch nicht öffentlich äußern oder in einem Verfahren als sicheren Beweis verwenden.
Der rechtliche Hebel: Arbeitskontakt statt Identität
Der entscheidende Ansatz im rechtlichen Vorgehen gegen anonyme Kununu-Bewertungen ist nicht die Enttarnung des Bewerters. Der rechtliche Hebel liegt in der Frage, ob die bewertende Person überhaupt berechtigt war, eine Bewertung abzugeben.
Kununu lässt Bewertungen nur von Personen zu, die in einem tatsächlichen Arbeitsverhältnis zu dem bewerteten Unternehmen standen oder stehen. Dieser Grundsatz ist in den Nutzungsbedingungen der Plattform verankert. Wenn konkrete Umstände darauf hindeuten, dass ein Bewerter kein echtes Arbeitsverhältnis hatte, oder wenn der Inhalt der Bewertung auf keiner realen Erfahrung zu beruhen scheint, ist das ein starkes Argument für die Löschung.
Das Besondere an dieser Argumentation: Sie müssen nicht wissen, wer der Bewerter ist. Sie müssen nur konkrete Gründe benennen, warum die Bewertung nicht von einem legitimen Arbeitnehmer stammen kann, oder warum sie inhaltlich nicht der Wahrheit entspricht. Diesen Hinweis müssen Sie Kununu gegenüber darlegen.
BGH-Prüfpflicht und was sie bedeutet
Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 1. März 2016 (Az. VI ZR 34/15) ist für anonyme Bewertungen besonders relevant. Der BGH hat entschieden: Wenn ein betroffenes Unternehmen konkrete Anhaltspunkte dafür liefert, dass eine Bewertung unzulässig ist, muss die Plattform aktiv werden. Sie muss den Bewerter kontaktieren und um Stellungnahme sowie Nachweis des Arbeitskontakts bitten.
Der Bewerter steht dann vor einer schwierigen Situation: Entweder er weist seinen Arbeitskontakt nach, womit er zumindest teilweise seine Anonymität gegenüber Kununu aufgibt. Oder er reagiert nicht oder kann den Nachweis nicht erbringen, womit Kununu die Bewertung entfernen muss.
Das bedeutet: Die Anonymität schützt den Bewerter zwar davor, vom Arbeitgeber erkannt zu werden. Sie schützt ihn aber nicht davor, dass die Bewertung gelöscht wird, wenn er den Arbeitskontakt nicht belegen kann.
DSGVO und das Recht auf Gegenwehr
Neben dem BGH-Urteil bietet auch die Datenschutz-Grundverordnung Ansatzpunkte. Wenn in einer anonymen Bewertung personenbezogene Daten von Führungskräften oder Mitarbeitern des Unternehmens verarbeitet werden, können diese Personen nach Art. 17 DSGVO die Löschung verlangen, wenn die Verarbeitung rechtswidrig war.
Vorgehen trotz Anonymität: Der richtige Weg
Konkret bedeutet das für Unternehmen, die von einer anonymen Kununu-Bewertung betroffen sind:
- Bewertung dokumentieren und alle inhaltlichen Punkte analysieren, die falsch oder unzulässig sind
- Kununu über das Arbeitgeberkonto melden und konkrete Gründe für die Unzulässigkeit benennen
- Bei ausbleibender Reaktion oder Ablehnung: Anwaltliche Unterstützung in Anspruch nehmen
- Rechtsanwalt fordert Kununu unter Bezugnahme auf BGH VI ZR 34/15 zur Prüfung und Stellungnahme auf
- Kann der anonyme Bewerter den Arbeitskontakt nicht belegen, folgt die Löschung
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Hauptseite Kununu-Bewertung löschen lassen.
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